Wir freuen uns, in die dritte Runde mit dem Projekt Musik & Demokratie zu gehen. Diesmal an die Jens-Nydahl-Schule am Kottbusser Tor. Am Start sind zwei 5. Klassen zusammen mit den Musiker*innen Renas Ibrahim, Ahmad Qafour, Sven Tjaben und Evi Fillippou sowie dem Medienprofi Matthias Schellenberger. Gleich zu Beginn gings auch auf Exkursion in den Pierre Boulez Saal und den Bundestag. Bleibt gespannt!

Im Sept. 2025 setzte Vincentino das Programm „Musik & Demokratie“ bereits zum dritten Mal um - diesmal in Kreuzberg an der Jens-Nydahl-Grundschule am Kottbusser Tor.

Die Schüler*innen der 5a stiegen direkt musikalisch in das kurdische Volkslied „Meli“ ein, das von einer starken Frauenfigur handelt. Parallel entwickelte die 5b mit Unterstützung des Musikers / Geschichtenerzählers Sven Tjaben eine eigene Textversion für den Grönemeyer-Song „Kinder an die Macht“. Die Resonanz der Kinder zu den Songs viel unterschiedlich aus: Kinder mit kurdischen Wurzeln begeisterten sich besonders für die Liedauswahl, doch es gab auch Kinder, die einige Zeit brauchten, um sich einzulassen.

Die Kinder der 5a und 5b erfuhren auch von den persönlichen Erlebnissen der Musiker*innen mit verschiedenen politischen Perspektiven. Die kurdischen Musiker Renas Ibrahim und Ahmad Qafour berichteten, wie sie Demokratie in Deutsch-land erleben – und stellten dem ihre Erfahrungen mit Verboten und Repression in Syrien gegenüber. Diese Einblicke eröffneten den Schüler*innen emotionale Zugänge zu abstrakten Begriffen wie Freiheit und Mitbestimmung. Für Aktivierung und Dynamik in den Workshops sorgten Musik- und Bewegungsspiele, die Rhythmus, Körperwahrnehmung und Teamarbeit miteinander verbinden.

Mit dem Medienkünstler MASCH produzierten die Schüler*innen Slogans zur Demokartie mit der App „Animated Text“ und setzten sich mit Fragen auseinander: Wie hängen Musik und Demokratie zusammen? Warum ist sich gegenseitig Zuhören so wichtig? Wie entsteht Respekt in einer Gruppe? Die Kinder formulierten: Musik bringt Menschen zusammen, schafft Verständigung und stärkt das Gefühl der Zusammen-gehörigkeit – genau wie Demokratie. Und sie beschäftigten sich mit Kinderrechten. Z.B. berichtete MASCH von seinem Engagement für den Bau von Schulen in Afrika. Daraus entwickelte sich eine lebhafte Diskussion über das Recht auf Bildung und dass dieses Recht weltweit nicht selbstverständlich ist.

Mit dem Poster „Was habe ich letzte Woche für Demokratie getan?“ holten die Musiker*innen die Kids wöchentlich in ihrem Alltag ab, zu überlegen, womit sie zum positiven Zusammenleben beitragen können. Die Kids diskutierten mit den Musiker*innen wieso Freundlichsein einen Mehrwert für die Demokratie ist, und wie man es schaffen kann, dies gegenüber Menschen zu sein, die ganz anders denken oder an andere Dinge glauben.

Besonders erlebten die Kids diese Fragestellungen beim „Ja-Nein-Spiel“. Hier waren alle aufgefordert, sich zu kontroversen Aussagen im Raum auf einem Kontinuum zwischen Zustimmung (Ja) und Ablehnung (Nein) zu positionierten. In einer Diskussion über die Regenbogenflagge äußerte eine muslimische Schülerin einen bemerkenswerten Gedanken: „Wenn die Regenbogenflagge verboten werden soll, dann dürften wir auch nicht Muslime sein in einem europäischen Land.“ Es kam vor, dass einzelne Kinder nach diesen Übungen ihre bisherige Meinung änderten.

Ein wichtiger Bestandteil sind auch Besuche außerhalb der Schule. Die Klasse 5a lernte die Barenboim-Said Akademie kennen, wo die Musiker Bakr Khleifi und Husam Al-Ali mit ihnen die Akustik des Pierre-Boulez-Saals testeten und aus dem Stand das arabische Lied „Hala la la laya“ einstudierten. Corinna Volke führte die Kinder durchs Haus. Die Klasse 5b besuchte das Reichstagsgebäude. Direkt vor Ort mehr über die Geschichte des Bundestags und die Aufgabe des Parlaments in der Demokratie zu erfahren, beeindruckte sie und es gab Fragen: An welchen Tagen sind alle da? Wo sitzt welche Partei? Warum hängt da der große Adler? Ist Friedrich Merz in seinem Büro?

Es wurde immer wieder zwischen musikalischer Einzel- und Gruppenarbeit gewechselt. Rhythmus- und Melodiegruppe probten meist zunächst getrennt, bevor sie immer wieder zusammenkamen. Besonders die griechische Musikerin Evi Filippou zog immer wieder die Zügel an, damit die Kids musikalisch wie inhaltlich für das große Abschlusskonzert gerüstet sind. Im zweiten Drittel der Projektlaufzeit gab es ein Probevorspiel auf der Schulbühne für die jeweilige andere Klasse. Da erst wurde den Kids klar: Hier geht es um was. Die Workshopeinheiten und Proben der Musiker*innen mit den Kids sind partizipativ und prozessorientiert und das Vertrauen wechselseitig muss erarbeitet werden.

Am 26. Januar 2026 fand dann mit vier weiteren Klassen aus zwei Oberschule aus dem Programm „Interkultureller Dialog mit Musik“ ein gemeinsames Abschlussevent statt, auf das wir von Vincentino sehr lange hingearbeitet haben. Besonders die Wahl des Veranstaltungsortes stellte uns aufgrund der Teilnahme des Jüdischen Gymnasiums vor große Aufgaben. aAufgrund der vielen Bedenken haben wir uns für ein Konzert ausschließlich „Kinder spielen für Kinder“ entschieden, was sehr toll war!

Videos

- Musik & Demokratie - Dokumentation I
- Musik & Demokratie - Dokumentation II