Junges jüdisches Leben in Berlin mit Künster*innen entdecken - ein Projekt der Vincentino-Medienwerkstatt mit Unterstützung der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" (EVZ): https://www.stiftung-evz.de.

Die Programmreihe der Stiftung EVZ im Rahmen des Jubiläumjahres #2021JLID hat den Titel "#tsuzamen - junge Perspektiven auf jüdisches Leben". Möchten Sie mehr über das Jubliläumsjahr erfahren: https://2021jlid.de

In den Medienwerkstatt-Projekten erkunden Berliner Schüler*innen junges jüdisches Leben in Berlin in Zusammenarbeit mit Künstler*innen und Protagonist*innen, u.a. von DAGESH.Jüdische Kunst im Kontext, ein Programm der Leo Baeck Foundation. Die Projektreihe baute auf die direkte Begegnungen von Kindern und Jugendlichen mit couragierten kreativen jüdischen Berliner Mitbürger*innen auf. Die Schüler*innen besuchten, recherchierten und besprachen alltägliche Lebenspraxen, die die Protagonist*innen ins Spiel brachten. Die Kids dokumentierten ihre Erfahrungen künstlerisch mit Unterstützung der Medien-Dozent*innen von Vincentino. Über die Workshop-Tage erprobten sie gemeinsam meist verschiedene kreative Ausdrucksformen. Die Formate - Film, Fotografie, Hörspiel, Collage, Trickfilm - wählten die Schüler*innen mit den Künstler*innen und den Medien-Dozent*innen aus. Die Jugendlichen setzen sich dabei auch mit eigenen Erfahrungen in Famile, Schule, Stadt oder Nachbarschaft auseinander. Durch die Begegnungen entstanden nicht nur Potentiale für Empathie und Perspektivwechsel – die Jugendlichen erprobten auch vielfältige künstlerische Formen, um Veränderungen im Denken und im Handeln zu ermöglichen.

Das Medien- und Begegnungsprojekte fanden samt Erkundungstouren zwischen April 2021 bis Ende 2021 mit Schüler*innen aus acht Klassen statt - mit Projektstunden, Projekttagen oder in Projektwochen. Die passgenaue Integration in den Schulalltag musste in Bezug auf die Möglichkeiten während der Pandemiezeit vorgenommen werden. Dabei waren nun eine Klassen aus dem Campus Efweuweg, zwei Klassen der Aziz-Nesin-Grundschule, und drei Klassen Adolf-Reichwein-Schule und zwei aus der Bötzow-Schule. Vincentino agiert dabei immer an der Schnittstelle zwischen kultureller, künstlerischer, medialer und politischer Bildungsarbeit.

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1.a) Projektwoche an der Bötzow-Grundschule, Klasse 6a, zwischen dem 14. und 18. Juni 2021.
Die Künstler*innen/Dozent*innen Julia Alfandari (Kulturvermittlerin) und Noam Brusilovsky (Hörspielmacher, Regisseur) von Dagesh arbeiteten zusammen mit den Schüler*innen und Matthias Schellenberger (Künstlername: MASCH) und Sofie Beerfeltz (FSJ) von der Vincentino-Medienwerkstatt.

Projektbericht von unser FSJlerin Sofie Beerfeltz:

Die Projektwoche begann am Montag mit einer Kennenlernrunde, in der wir, Julia Alfandari und Noam Brusilovsky (Hörspielregisseur), sowie Matthias Schellenberger (Leiter der Medienwerkstatt), Maria (Praktikantin) und ich (FSJ) uns den Kindern der Klasse 6a und den zwei Lehrerinnen Carola Fuchs und Susanne Chors vorstellten.

Durch ein Quiz über das Judentum lernten die Schüler *innen erste Inhalte wie Feiertage, Alltagsleben und den geschichtlichen Hintergrund kennen. Danach bearbeiteten die Schüler*innen Steckbriefe von jüdischen Künstler*innen, darunter der Sänger Drake und die Schriftstellerin Deborah Feldmann. Sie vertieften damit ihr Wissen und stellten anschließend die verschiedenen Persönlichkeiten anhand eines Interviews, einer Tanz-Performance oder mit einer anderer Aufführung den anderen Schüler*innen vor.

Der Dienstag startete mit einer Talkshow. Julia und Noam beantworteten dabei alle Fragen der Kinder, die sie sich am Vortag und als Hausaufgaben überlegt hatten. Anschließend schauten wir den Film „Masel Tov Cocktail“ und besprachen den Inhalt des Kurzfilms. Kurz vor dem Ende wurde der Film gestoppt und die Schüler*innen überlegten sich in Gruppenarbeit ein eigenes Ende für den Film und verfilmen es. Nachdem wir die tollen Ergebnisse der Kinder präsentierten, schauten wir natürlich auch noch gemeinsam die richtige Schlussszene an und diskutierten darüber.

Am Mittwoch beschäftigten wir uns mit Geschlechterrollen im Judentum und Noams Hörbuch „Broken German“. Zunächst schrieben die Schüler ein Drehbuch für ein eigenes Hörspiel über Zivilcourage, das sie an den letzten zwei Tagen der Projektwoche aufnahmen. In einer Abschlussrunde hörten wir uns die Hörspiele der Kinder an und besprachen die Erlebnisse der Projektwoche.

1.b) Plus einem Projekttag mit Schüler*innen der 5. Klasse aus der Bötzow-Schule beim Festival Transitions von Dagesh e.V. am 20.8.21 

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2. Projekt an der Gemeinschaftsschule Campus Efeuweg von Oktober bis Dezember 2021 mit Schüler*innen der 7. Klasse (Klassenleitung: Janina Bähre und Anna Kallenbach)

Die Schüler*innen besuchten in dem Projekt gemeinsam mit den Mediendozenten von Vincentino e.V., Matthias Schellenberger und Daniel Wittkopp, verschiedene jüdische Orte und Insitutionen, u.a. den von Andreas Tölke initiierten Verein "Be an Angel"  und das dazu gehörige Lokal "Kreuzberger Himmel", in dem Geflüchtete eine Ausbildung und Anstellung finden. Die Jugendlichen vom Campus Efeuweg beeindruckte die selbtbewusste Zusammenarbeit zwischen vielen Nationen und Religionen. Andreas berichtete über den Tod seiner Großeletern im KZ ebenso, wie über seinen Einsatz für Geflüchtete, die meist muslimischen Glauben sind. Religion spielt für ihn keime Rollen, Hauptsache, die Einstellung stimmt. Im Nachgang des Besuchs fragte eine Schülerin aus Afghanistan, ob sie hier einen Praktikum machen könnte, oder ihre Eltern hier Unterstützung finden. Themen, die sonst in der Schule wenig Raum finden.

Mit Julia Alfandari und Yana Leberska von Dagesh e.V. thematisieren die Schüler*innen jüdische Lebenswelten aus künstlerische Perspektive. u.a. zusammen mit dem jüdischen Regisseur und Kameramann Robert Schulzmann. Alle Erfahrungen hielten die Schüler*innen unter Anleitung von Matthias Schellenberger und Daniel Wittkopp in kleinen Hörspielen fest. Am 11.11.21 kam der jüdische Rapper Ben Salomo zu Besuch an dem Campus Efeuweg. Eine Mega-Star bei den Kids. Er sprach mit den Schüler*innen über ihre Erfahrungen im Zusammenleben in der Berliner Stadtgesellschaft. Im Workshop "meet2respect" kamen die Schüler*innen auch mit einem Rabbi und einem Imam zusammen. Am 2.12.22 war zum dritten Mal Yana Lemberska von Dagesh. Jüdische Kunst im Kontext zu Besuch und berichtete über das Lichterfest Chanukkah und die Schüler*innne setzten das Hörspielprojekt zum Thema #zivilcourage fort.

Bericht unserer Schülerpraktikantin Leyla Yildirim: Ein Besuch im Kreuzberger Himmel am 28.10.21 im Projekt „Jüdische Lebenswelten kennenlernen“

Ich war zusammen mit einer 7.Klasse der Sekundarschule Campus Efeuweg aus Neukölln im syrischen Restaurant „Kreuzberger Himmel“, das vom Verein „Be an Angel“ zur Integration von Geflüchteten geführt wird. Andreas Tölke, ein Journalist, ist Gründer des Vereins und Initiator des Lokals. Dort angekommen begrüßten uns Bakri, einer aus Restaurant-Team und Andreas Toelke mit seinem Hund mit dem Namen „Müller“ herzlich.Als wir alle saßen, fing Andreas an zu erzählen, dass er das Glück Großeltern zu haben nicht hatte, denn sie wurden in einem KZ umgebracht, weil sie Juden waren. Seine Mutter musste damals mit einem Judenstern rumlaufen. Sie wurde bespuckt, beschimpft und ihr wurden Steine hinterhergeschmissen. Er erzählt, dass auch heute Menschen mit Migrationshintergrund, egal welcher religiöse, schwarze oder sonst etwas immer wieder aufs neue, sogar täglich diskriminiert werden. Er möchte etwas verändern und Frieden schaffen. Er erzählt uns, wie er und sein Team, das aus 15 Leuten besteht, die aus 10 verschiedenen Ländern kommen und alle miteinander deutsch sprechen während Corona täglich 250 Portionen Essen an mehrere Obdachlosen-Versorgungsstationen in Berlin ausgeliefert haben. Gespendet. Im Anschluss an das Gespräch mit Bakri und Andreas durften wir noch ein paar syrische Gerichte probieren. Es gab ein paar gemischte vVrspeisen mit Sanbousak (frittierten Teigtaschen mit Lammhack und auch vegetarischer Füllung). Himmlisch lecker!

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3. Projektwochen mit drei 7. Klassen an der Förderschule Adolf Reichwein im November 2021 unter dem Titel "Jüdische Koch-Künste"

Hier wurde mit drei 7. Klassen mit großer Freude gemeinsam jüdisch gekocht und mit den Künstlerinnen Illay Chester und Shai Schiff u.a. Seiten für ein Kochbuch gestaltet, Schürzen bemalt und Namen auf Hebräisch gestaltet. Mit den Mediendozenten von Vincentino e.V. Matthias Schellenberger und Daniel Wittkopp hielten die Schüler*innen ihre Erlebnisse auch digital fest. Die erste Projektwoche mit der Klassenleiterin Claudia Christ fand vom 8.- 12.11.21 satt, die zweite mit der Klassenlehrerin Nona Tielebier von 15.- 19.11.21 und die dritte Klasse mit der Lehrerin Sylvana Banz von. 29.11.- 3.12.21 

Daniel Wittkopp, unser Mediendozent berichtet: 

Der zweite Tag der zweiten Woche begann mit verschiedenen Zeichenübungen. Z.B zeichneten die Kids auf dem Rücken des anderen, der spüren muss was gezeichnet wird und dies so gut wie möglich nachzeichnet. Wir haben auch Gemeinschaftszeichnungen gemacht, wobei jeder eine Minute zeichnet und dann das Blatt weitergibt, um die Zeichnung des Nachbarn weiterzuführen. Dies so lange bis jeder an allen Zeichnungen beteiligt war. Wir haben auch Collagen mit den Comica-Motiven der Zutaten der verschiedenen Gerichte, die wir gestern gekocht haben erstellt und diese beschriftet  und Rezepte von Hand geschrieben - einzelne Zutaten sogar auf hebräisch. Wir haben ein Brainstorming zum Begriff "Anarchie" gemacht und dann den Begriff erklärt, denn eine Schüler*in fragt Shai Schiff, sie habe gehört in Israel herrsche Anarachie. Wir haben zusammen einen Obstsalat gemacht und über den Diebstahl von Shais Portemonnaie gesprochen und gemeinsam aufgeräumt. Natürlich gab es auch eine Abschlussrunde mit Feedback. Es war wirklich ein guter Tag heute. Die Kinder haben auf alles positiv reagiert, ohne Ausnahme mit Freude mitgearbeitet. Beim Feedback gab nur Daumen nach oben, nur zwei im Mittelfeld. Das ist ja ein sehr guter Schnitt. Die Klasse ist super. Wir haben einige Ideen für morgen und freuen uns drauf.

Daniel Wittkopp, unser Mediendozent berichtet: 

In der dritten Projektwoche begann der Montag mit der 7c wieder mit einer Vorstellungsrunde bei der Illay Chester und Shai Schiff aus ihren Leben in Berlin erzählten, und was für eine Rolle ihre jüdische Identität dabei spielt.

Das gemeinsame Kochen ist dabei die perfekte Aktion für die Begegnung zwischen den Schüler*innen und den jüdischen Protagonist*innen. In dieser familiären Atmosphäre wird ermöglicht, dass sich die Beteiligten auf Augenhöhe begegnen. Das Kochen ist eine gemeinschaftliche Arbeit, wobei sich beim Gemüseschnippeln gute Gelegenheiten zum Gespräch bietet und den Kindern Wissen über jüdische Lebenswelten, Regeln und Gebräuche lebensnah geben werden.  In der ditten Woche kochten wir libysche Gnocchis, Challah, Salat, Tahini und Rote-Beete-Salat, die Illay Chester und Shai Schiff in die Runde brachten. Durch das gemeinsame Kochen, Essen und Aufräumen, konnte sich gleich am ersten Tag eine Gemeinschaft bilden.

Am Dienstag begannen wir damit in der "Limettenküche" Challah zu backen bzw. den Teig vorzubereiten. Vielen Kindern ist das Backen und Kochen von zuhause vertraut und sie waren mit großer Freude dabei. Als der Teig ruhte begannen wir mit Zeichenübungen und -Spielen. Wir fertigten Zeichungen an, an denen jeder beteilgt war. Danach beschrieben die Kinder, was auf den jeweiligen Zeichnungen zu sehen war vor der Kamera und dachten sich improvisierend aus den Zeichnungen basierende Geschichten aus. Wir vermittelten Ihnen mit assoziativen Wort- und Zeichenspielen, dass es bei Kunst nicht um richtig oder falsch geht. Wir spielten. u.a. Cadavre Exquis, wobei sich die Kinder sichtlich amüsiert haben. Es wurde viel gelacht.

Illay, Shai und MASCH erklärten den Kinder wissen, dass es Davidstern heißt und nicht etwa Judenstern, wie es ein weit verbreiteter Irrtum ist. Es ging auch darum, dass der Davidstern als Zeichen früher nicht nur von den Juden, sondern auch von Muslimen und Christen als eine Art Talisman, der einen vor Schlechtem schützen sollte, genutzt wurde. Wir kamen darauf, dass die Überschneidung der beiden übereinanderliegenden Dreiecke den göttlichen Anteil in jedem Menschen symbolisiert. Mit diesen Informationen haben die Kindern den Davidstern gezeichnet und das Bild erweitert und ausgeschmückt. Das gemeinsame Zeichnen bot Raum für persönliche Gespräche. Die Kinder stellten offen Fragen zu Herkunft, Nationalstolz, ob und an welchen Gott man glaubt. Es ging auch um Fragen, ob es da wirklich große Unterschiede gibt oder eigentlich alle Religionen als Kern die Nächstenliebe haben. Nach dem Zeichnen hat Illay, die auch Musikerin ist, mit den Kids an selbstgebauten Trommeln das Lied Shalom einstudiert. Das wurde etwas chaotisch, doch die Kinder hatten Spaß dabei. Zwei Schüler*innen dokumentierten das Trommeln mit Videokameras. Und einige interessierte Kinder führten wir in den Videoschnitt mit der App Kinemaster ein.

Gegen Ende des Tagen aßen wir Challah mit unserer selbstgemachten Marmelade und dazu gab es die selbstgemachten libyschen Gnocchis. Die Kinder erfuhren viel Neues in Gesprächen auf Augenhöhe. Beispielsweise lernten sie, dass nicht alle Juden aus Israel kommen, sondern auf der ganzen Welt leben dadurch, dass sie libysche Gnocchis aßen. Die jüdische Küche setzt sich aus vielen verschiedenen kulturellen Ansätzen zusammen. Auch hier traten viele Gemeinsamkeiten zutage. Ob nun Börek oder Bureka. Auf diese Weise lernen die Kinder mehr, sie merken sich mehr, als wenn jemand vor der Tafel steht und nur davon erzählt. Es kam zu vielen nahen Momenten zwischen den jüdischen Akteur*inne  und den Schüler*innen. Auch den zweiten Tag genossen die Kinder.

01.12.2021 Da die „Limetten-Küche“ an diesem Tag besetzt war, arbeiteten wir mit den Schülern der 7c in ihrem weihnachtliche geschmückten Klassenraum. Es herrschte eine ruhige und gemütliche Stimmung. Leise lief weihnachtliche Musik. Wir begannen damit Skizzen auf Papier für die Gestaltung der Kochschürzen, die später folgen sollte zu machen. Basierend auf einer Anekdote von Shai war der Plan, die beim Kochen an den vorangegangenen Tagen beschmutzten Schürzen mit Textilfarbe zu gestalten. Dabei war die Idee, die Flecken zu Bildern erweiterten. Im Anschluss an die Skizzen begannen wir mit dem collagieren des Kochbuchs. Die Kinder suchten sich eines der jüdischen Rezepte raus, die wir gemeinsam gekocht hatten. Sie schrieben die Rezepte auf große Papiere. Die an den Tagen zuvor fotografierten Zutaten wurden mit verschiedenen Filtern der App Comica verändert, farbig ausgedruckt, von den Kindern ausgeschnitten und als Collage auf große Papiere geklebt. Hinzu kamen Zeichnungen und die Buchstaben der Rezepte und die Namen der Gerichte wurden farbig angemalt. Hierbei herrschte eine friedliche, nahezu meditative Stimmung. Mit zwei Kameras nahmen die Kinder  - Bild und Video - zu Dokumentationszwecken auf.

Wir nahmen das Thema „Salam heißt nicht nur Guten Tag“ auf. In diesem Rahmen erstellten wir ein Poster auf dem ein Peace-Zeichen zu sehen ist und Spongebob und sein Freund Patrick sich für Frieden einsetzen und gemeinsam Shalom und Salam rufen, welches begeistert im Klassenzimmer neben der Tafel aufgehängt wurde. Vielen Kindern hat das gefallen und einige wollten sich einen eigenen Spongebob malen bzw. gezeigt bekommen wie man Spongebob zeichnet. Es herrschte eine friedlich ausgelassene Stimmung. In der abschließenden Feedbackrunde sagten fast alle Kinder, dass ihnen das Projekt großen Spaß gemacht habe und verabschiedeten sich herzlich. Die Projektwoche hat auf jeden Fall ausgereicht sich kennenzulernen. Den Akteur*innen des Projekts und den ihnen bisher unbekannten jüdischen Akteurinnen zeigten sie sich in rührender Weise offen und vertraut. 

Am Freitag gingen die Kids mit Alexander Green in Mitte auf Exkursion. Trotz großer Kälte zeigten sich die Kinder bei der Führung von Alexander offen, interessiert und stellten viele Fragen. In diesem Rahmen kamen viele Gemeinsamkeiten bei Regeln und Gebräuchen in Islam und Judentum zutage. Bei vielen Fragen bezüglich des Judentums konnten die Kinder basierend auf den Projekttagen in der Adolf-Recihwein-Schule zutreffende Antworten geben. Höhepunkte waren für mich, wie sie bei Alexanders Vortrag über das Chanukka-Fest Kerzen anzündeten und Krapfen / Quarkkeulchen aßen, die Alexander als Fettgebäck, das klassischerweise beim Chanukka-Fest gegessen wird, zu diesem Anlass mitgebracht hatte. In einer Galerie setzten die Kinder sich vergnügt die Kippas auf den Kopf, die Alexander als Anschauungsmaterial mitgebracht hatte. Beim Thema Deportation reagierten die Kindern entsetzt und empathisch. Mit Stahlwolle putzten sie Stolpersteine blank. Beim jüdischen Friedhof legten sie Steine nieder.

 

 

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4. Projektwoche an der Türkischen Europaschule Aziz Nesin mit einer 5. Klasse von 13.- 17.12.21.

Die Schüler*innen einer 5. Klasse proben in der Projektwoche mit den jüdischen Musiker*innen Nitsan Bernstein und Illay Chester einen hebräischen Song und üben sich als Kamera-Frauen und Männer und bekommen u.a. mit Shai Schiff einen Einblick in jüdische Lebenswelten. Mit dabei sind auch die Mediendozenten: Matthias Schellenberger und Daniel Wittkopp, die die Eindrücke der Kinder mit ihnen gemeinsam medial umsetzen.

Zu Beginn der Projektwoche stellten sich alle Beteiligten den 22 Schülern im Klassenzimmer vor. Shai, Nitsan und Illay erzählten von ihren Familien und wie es dazu kam, dass sie nach Berlin gekommen sind und dass sie heute in Berlin als Profimusikerinnen und Produktdesignerin arbeiten. Während der Vorstellungsrunde schrieben die Kinder ihre Namen auf Papier und Shai und Illay halfen ihnen mit den hebräischen Pendants zu den lateinischen Buchstaben an der Tafel. So konnten die Kinder mit großer Freude ihre Namen auf hebräisch schreiben. Sie schrieben begeistert viele weitere Wörter und Texte in hebräischer Schrift und malten diese unaufgefordert bunt aus. Danach zogen wir in den Musikraum um, verteilten Trommeln und selbstgebaute Instrumente aus recycelten Materialien und spielten das Lied Shalom auf dem Smartboard ab. Zwei Schüler*innen wollten an den Flügel. Illay und Nitsan übten in Gruppen jeweils Teile des Liedes ein und mit allen gemeinsam den Gesang. Die Kids durften auch dirigieren und dadurch die Lautstärke regeln und Solos einzelner Schüler*innen lenken. Die Kinder gehen die Sache mutig und lustvoll an. Es gibt eigentlich niemanden, der sich schämt allein zu singen. Die Kinder gehen beim Musizieren richtig mit, einige bewegen sich und tanzen dazu. Am Ende klatschen alle. Die Lust war groß weiter Musik zu machen. Wir zogen jedoch wieder in den Klassenraum um, wo alle aufschrieben, was sie mit dem Judentum oder Juden verbinden und wir ihre Zettel vorlasen, um am nächsten Tag damit weiter zu machen. Die Kinder verabschieden sich ausgiebig und freudig bei uns. Wir können so freudig in den nächsten Tag gehen.

Am Dienstag beginnen wir den Tag im Klassenzimmer und Illay und Shai sprechen darüber, dass nicht alle Juden aus Israel kommen, sondern es auf der ganzen Welt Juden gibt. Thema ist auch Jiddisch und die Einführung der hebräischen Sprache, die es noch nicht sehr lange gibt. Ein Schüler bringt ein Einsteigerbuch ins Hebräische mit, dass ihm sein Vater kopiert hat, um es mit in die Schule zu nehmen. Die Lehrerin kopiert es für alle. Erwähnung findet auch Ladino, das aktuell von einer Minderheit in Istanbul gesprochen wird. Alle zählen Worte aus dem Jiddischen auf, die auch im Deutschen verwendet werden, wie z. B. Tacheles sprechen, Schlamassel etc. Das ist nah an den Kindern dran. Sie fragen viel und sind interessiert. Danach packen wir unter MASCHs Leitung mithilfe von Tablets und einer App einen Trickfilm vor dem Green Screen an, auch mit Hilfe von Trickfilmbühnen. Eine Mädchen-Gruppe entscheidet sich einem Film vor großem Green Screen zu machen. Drei weitere Gruppen à 4 Kinder denken sich eine Idee für ihren Trickfilm anhand der Begriffe Nomade, Freiheit und Heimat aus. Sie stellen Titel und Inhalt kurz an der Tafel vor, bevor sie die Figuren aus Papier und Pappe basteln. Die Zeit vergeht sehr schnell, die Kinder sind kreativ und stellen am Ende des Tages ihre weiter entwickelten Idee für die Film vor, bzw. lesen schon Teile aus ihrem Drehbuch vor. Jeweils fünf Schüler*innen gehen mit Illay in den Musikraum, um das Lied Shalom weiter einzustudieren und mit Hilfe der Loop-Station aufzunehmen. Zwischendurch greifen wir die Assoziationen und Begriffe zum Judentum, die den Kindern am Vortag eingefallen sind, wieder auf. Wie bei den vorangegangen Projektwochen, beziehen sich fast alle Zettel auf die Verfolgung der Juden im Dritten Reich und den Holocaust, über heutiges jüdisches Leben hat kaum einer eine Idee. Mit Shai besprechen die Kids, dass auch auf sehr vielen Zetteln stand, dass Juden klug, erfolgreich und fleißig sind. In diesem Rahmen sprechen wir über Vorurteile, auch wenn diese positiv besetzt sind. Die Kinder sind sehr offen und setzen mit Illay, Nitsan und Shai ihre kreativen Ideen eigenständig um. In der Abschlussrunde wird gemeinsam der nächsten Tag geplant. Die Kinder freuen sich auf den Ausflug, weil sie Corona-bedingt keine Ausflüge mehr hatten.

Die Musikerin Illay Chester berichtet am Mittwoch: "Ich freue mich, dass das Projekt in Aziz-Nesin-Schule sehr gut läuft. Die Kinder sind engagiert und arbeiten eifrig miteinander. Viele Kinder haben unsere Arbeitsaufgaben, wie am Drehbuch für den Trickfilm weiterzuschreiben oder Sätze auf hebräisch zu schreiben aus eigenem Antrieb mit nach Hause genommen und ihre Familien miteinbezogen. Ein Junge brachte ein Buch mit, das sein Vater von einer jüdischen Frau erhalten hatte, die ihm bei seiner Ankunft in Deutschland geholfen hatte. Andere Kinder schrieben Weihnachtsgrüße auf Jiddisch. Alle Kinder waren mit Feuereifer bei der Sache und wollten in der Mittagspause gar nicht mehr gehen. Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich an diesem Projekt teilnehmen kann, um mit den Kindern zu arbeiten. Ich habe mich nochmal mit der Designerin Shai getroffen, um unsere weiteren Aktivitäten vorzubereiten. Heute bearbeite ich zu Hause die Aufnahmen, die ich mit den Kindern gemacht habe, damit sie am Donnerstag für die Medienarbeit mit MASCH fertig sind. Wir nehmen das Lied Salam auf, da wir es nicht live aufführen können und drehen auch ein Musikvideo dazu. Wie ihr dann im Dokumentationsvideo sehen werdet, haben wir ein Aufnahmestudio in der Schule eingerichtet. Die Kinder haben beim Aufbau geholfen, waren Tontechniker*in, Kameramann/Frau und Aufnahmemusiker*innen :). Das macht mir wirklich viel Spaß. Ich habe dafür meine professionelle Ausrüstung von zu Hause mitgebracht und fühle mich in meinem Element, wenn ich das mache."

Am Mittwoch ging es für die Kinder gemeinsam mit der Klassenlehrerin und Daniel Wittkopp zu einer Führung mit David Scheves vom Centrum Judaicum durch das ehemalige jüdische Viertel in Mitte. Die Kinder hatten viele Fragen, waren super interessiert und machten Fotos. Der Museumbesuch in der Synagoge wurde durch die aufwändige Eingangskontrolle etwas knapp. Die Form der Ausstellung mit vielen Texttafeln und Touchscreens mit sehr vielen Informationen ist für 5-Klässler*innen herausfordernd. Eilig ging es weiter ins Café Beba im Gropius Bau. Dort wurden wir herzlich empfangen. Die Kinder begannen unter Anleitung der Chefin, Shani Leidermann, mit dem vorbereiteten Teig die Zöpfe für das Challah-Brot zu flechten. Einige Kinder durften mit in die Küche, um das Brot in den Ofen zu schieben. Während das Brot im Ofen war erzählte uns Shani von Bräuchen und Regeln im Judentum im Bezug aufs Essen. Sie erzählte von Schabbat, an dem man nicht arbeiten dürfe und so, da Kochen auch Arbeit ist, viele Eintöpfe in der Nacht vor Schabbat in den noch heißen Ofen gestellt werden, wo sie 12 h garen und am nächsten Tag noch warm sind und einen ganz besonderen Geschmack haben. Weiterhin erzählte sie von Gerichten wie u.a. „Gefilte Fisch“ und ihrem Lieblingseintopf mit Gemüse und Fisch und einer Soße aus Rote Beete und Meerrettich und deren Zubereitung. Die Kinder fragten nach ihrem Lieblingsessen, und ob sie Fisch liebe, und verglichen Regeln und Rezepte mit denen, die sie kennen. Z.B. wird in der Türkei unter dem Namen Osterbrot ein sehr ähnliches Brot gebacken. Als die Brote fertig waren, bekam jede Schüler*in ihr eigenes geflochtenes und geschmücktes Brot in einer Tüte, die wir direkt im Beba aßen - mit sehr fröhliche Stimmung unter den Kindern. 

An den Folgetagen in der Schule konnten wir die Arbeit am Lied Salam und auch die Trickfilme abschließen. Die Kinder verteilten sich auf verschiedene Räume und arbeiteten mit Feuereifer an ihren Filmen. Dies taten sie meist selbstständig, einigten sich bei inhaltlichen Fragen und wandten sich bei technischen Fragen an die Medienprofis. MASCH nutzte die Tage um für die Kinder einen ersten 5minütigen Zusammenschnitt des Videomaterial der letzten Tage zu schneiden, um ihnen am Ende des letzten Tages im Musikraum etwas präsentieren zu können. Die Kinder freuten sich sehr und applaudierten am Ende des Zusammenschnitts. Wir blieben noch länger im Musikraum, da die Kinder wild darauf waren ihre Trickfilme auf dem Smartboard mit der Klasse zu schauen. Es gab viel Gelächter und Applaus. Die KIds wollten unbedingt Fotos mit allem auf ihren Smartphones machen. Wir machten auch ein Gruppenbild der gesamten Klasse. Der Abschied war anrührend und wir freuen uns, dass wir Anfang Januar gleich wieder bei der Klasse eingeladen sind. Wir wollen  die restlichen Trickfilme schauen und die Idee der Kinder ist, uns für einen gemütlichen Ausklang des Projekts mit türkischen Spezialitäten bewirten zu wollen.

 

 

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Projektausschnitte für das Festival "Offenes Neukölln" im Juni 2021
Projektwoche mit Schüler*innen der Bötzow-Grundschule im Juni 2021
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