Exil, Migration, Krieg: Widersprüche damals - Einsprüche heute
Ein Thema im Deutschunterricht zur Vermittlung transmedialer Wirkmuster und Medienkompetenz. Unterrichtsreihe für den Deutsch-LK / I Sem. in der Albrecht-Dürer-Oberschule, Berlin-Neukölln.
www.friedensfibel-ado.blogspot.de

Gedanken zu einer digitalen Friedensfibel
Brechts Kriegsfibel ist ein bemerkenswertes Werk der Erinnerungskultur. Zum Zwecke ganz konkreter demokratiepädagogischer Ziele setzt er auf die kreative Neuordnung der medialen Möglichkeiten und Gewohnheiten seiner Zeit. Mit der Zusammenstellung seiner so genannten 69 Fotoepigramme – Fotografien der Kriegsberichterstattung, die mit gereimten Vierzeilern und Bildüberschriften in Beziehung gesetzt werden – will Brecht Menschen bewegen: zum Fühlen, zum Erinnern, zum Nachdenken. Und nicht zu zuletzt zu einem politischen Handeln, das Verbrechen an der Menschlichkeit, Krieg, Totalitarismus und Diktatur verhindert. Sein Experimentieren mit medialen Ausdrucksformen und Formaten, sowie deren Kombinationen in transmedialen Konzepten kann heute und gerade für junge Menschen eine inspirierende Blaupause für eine moderne Erinnerungskultur sein.

Dies erscheint umso dringlicher, als dass eine Kultur des Erinnern und Mahnens, bezogen auf die Greul des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges, fortan ohne Zeitzeugen wird auskommen müssen. Ein lebendiges, aufrüttelndes Sehen wird über andere Begegnungsformen zu initiieren sein, mit Medien die jede Generation in ihren Nutzungsgewohnheiten abholen. Das Projekt Bloggen mit Brecht der Vincentino Medienwerkstatt will zusammen mit Jugendlichen die Wirkkraft eines modernen (digitalen) Medienkonzepts für die Auseinandersetzung mit historischen und gegenwärtigen Konfliktlinien von Fremdheit, Ausgrenzung, Gewalt ausloten und hierüber den Diskurs über die Grundwerte eines toleranten und friedlichen des Zusammenlebens voranbringen.

Für eine moderne Friedensfibel, die der Brecht‘schen Intention folgt, scheint der Blog das Mittel der Wahl: niedrigschwellig in seiner technischen Handhabe, hybrid in seiner Verbindung unterschiedlicher Einzelmedien wie Text, Foto, Video, Audio und weitreichend in den Möglichkeiten seiner Veröffentlichung. Ein Blog eignet sich dabei zum Dokumentieren und Aufbereiten von Eindrücken und Gedanken zum Abbilden von Brüchen und Positionen. Ganz im Sinne Brechts hält er darüber hinaus die technische Plattform für kreative Neuordnung verschiedener medialer Begegnungsformen bereit, die das neue Sehen alter Bilder beflügelt. Durch diese experimentellen Freiräume kann das Unterrichtsprojekt im Schnittfeld von Geschichte, Literatur, Ethik und Politik auf die Bedürfnisse und Sehgewohnheiten der Jugendlichen zugehen und zugleich ein kritisches Medienlernen unterstützen.